Wie wird der Geburtstermin eigentlich ausgerechnet?


Blog #8

Habt ihr euch schon einmal gefragt, wie eigentlich der Geburtstermin durch eure Frauenärztin/euren Frauenarzt bestimmt wird? Oder wundert ihr euch, warum der durch euren Arzt/eure Ärztin festgelegte Termin von euren Berechnungen abweicht? Im Folgenden findet ihr bestimmt die Erklärung!

Zur Bestimmung des Geburtstermins können verschiedene Möglichkeiten verwendet werden:


1.

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Man berechnet den Geburtstermin kalendarisch. Grundsätzlich kann man dabei entweder vom ersten Tag der letzten Regel oder vom Tag der Befruchtung ausgehend rechnen. Der Tag der Befruchtung wird insbesondere von den Kinderwunschzentren verwendet, da diese den genauen Befruchtungszeitpunkt aufgrund der Behandlung meistens kennen. Ansonsten wird in der Regel der erste Tag der letzten Periode benutzt. Nach Anwendung der sogenannten Naegele-Regel lässt sich dann der Geburtstermin folgendermaßen berechnen:

Geburtstermin = Erster Tag der letzten Regel + 7 Tage - 3 Monate + 1 Jahr

oder

Geburtstermin = Tag der Befruchtung – 7 Tage – 3 Monate + 1 Jahr

Dies ist tatsächlich die am häufigsten verwendete Methode um den Termin zu bestimmen; auch die Geburtsterminrechner im Internet rechnen mit dieser Formel. Allerdings wird dabei davon ausgegangen, dass der Zyklus genau 28 Tage lang ist. Sollte man einen längeren oder kürzeren Zyklus haben, können diese Tage entsprechend addiert oder abgezogen werden.


2.

Man bestimmt den Geburttermin sonografisch: Das bedeutet man misst die Scheitel-Steiß-Länge und bestimmt anhandessen das aktuelle Alter des Embryos und daraufhin den zukünftigen Termin. In einer späteren Schwangerschaftswoche würde man nicht mehr die Scheitel-Steiß-Länge ausmessen, sondern den Querdurchmesser des Cerebellums zur Berechnung verwenden. Diese Methode wird angewendet, wenn das Datum der letzten Regel oder der Befruchtungstermin nicht erinnerlich sind oder zuvor kein Zyklus nachzuvollziehen war, z.B. bei einer erneuten Schwangerschaft während der Stillzeit.


3.

Man rechnet den Termin kalendarisch aus und korrigiert ihn sonografisch:

In diesem Fall würde man den Termin wie in 1. beschrieben ausrechnen. In einem weiteren Schritt wird der Termin dem Ultraschallergebnis (wie in 2. beschrieben) angeglichen. Diese Art der Berechnung verwendet man vor allem wenn bekannt ist, dass kein regelmäßiger Zyklus vorliegt oder aber das sonografische Ergebnis stark von dem kalendarisch errechneten Termin abweicht.


In diesem Zusammenhang möchte ich erwähnen, dass der durch den betreuenden Frauenarzt/Frauenärztin errechnete Termin, maximal einmal im Mutterpass korrigiert werden sollte. Das kann zum Beispiel erfolgen, wenn innerhalb der ersten Schwangerschaftsmonate der kalendarisch errechnete Termin mithilfe eines sonografisch terminierten Termins korrigiert wird.

Und… sollte eure Frauenärztin/euer Frauenarzt nur mündlich von einer Korrektur des Termins gesprochen haben, jedoch keinen korrigierten Termin im Mutterpass eingetragen haben, zählt das für uns Ärzte/Ärztinnen im Krankenhaus nicht.

Wusstet ihr schon, dass unter Ärzten in der Regel vom „ET“ gesprochen wird? ET steht für „Entbindungstermin“ und bedeutet nichts anderes als der errechnete Termin. Weitere, vor allem durch Patienten verwendete Synonyme sind „Stichtag“ oder „Geburtstermin“.

Warum ist es wichtig, dass man einen Termin festlegt?

Sofern einmal ein voraussichtlicher Geburtstermin bestimmt worden ist und im Mutterpass festgehalten wird, ist es uns Ärzten/Ärztinnen möglich, zu jedem Zeitpunkt in der Schwangerschaft, eine Aussage über die Entwicklung des Babys zu treffen. Für uns ist es wichtig zu wissen, ob ein Kind zeitgerecht entwickelt ist, d.h. ob sein sonografisches Alter mit dem errechneten Termin übereinstimmt oder ob eine Entwicklungsverzögerung oder vielleicht sogar ein Wachstumsstillstand vorliegt. Dies kann beispielsweise auf eine stattgehabte Infektion oder eine beginnende Plazentainsuffizienz  hinweisen und fordert unter Umständen einen schnellen Handlungsbedarf. Darüber hinaus wissen wir anhand des ETs ob sich ein Kind noch in der Frühgeburtlichkeitsperiode befindet, eventuell eine Lungenreifung benötigt und eine Geburt mit allen Mitteln abgewendet werden sollte oder ob einer Geburt nichts im Wege steht. Zuletzt zeigt ein errechneter Termin auch an, ab wann davon auszugehen ist, dass eine Schwangerschaft übertragen wird und eine Geburtseinleitung geplant werden sollte.

Was ist nun zu tun, wenn sich bis zum errechneten Termin noch nichts getan hat und die Geburt ausbleibt?

Beim ET handelt es sich um einen errechneten Termin. Die Natur zeigt zwar viele Regeln auf, dennoch läuft nicht immer alles genau nach unserem menschlichen Plan. Vor diesem Hintergrund sollte jedem Baby die Chance gegeben werden, seinen Geburtstag selbst zu wählen.

Nur 4% aller Kinder kommen tatsächlich am errechneten Geburtstermin zur Welt

Nichtsdestotrotz sollte ab dem ET regelmäßige Kontrollen beim Frauenarzt erfolgen. Je nach Geburtsklinik wird eine Geburtseinleitung auch bei unauffälligen Kontrollen zumeist spätestens nach 10 Tagen über den Termin empfohlen. In Studien konnte gezeigt werden, dass ab dann das Risiko eines intrauterinen Kindstodes deutlich ansteigt und der Benefit für ein „weiteres Verbleiben im Bauch“ gering ist.

Ich hoffe, du hast verstanden, auf welche verschiedenen Weisen der Geburtstermin errechnet wird und dass es sich dabei in den seltensten Fällen wirklich um den genauen Tag der Geburt handelt!

Hinterlass doch einen Kommentar, wenn du weitere Fragen hast.

Wenn du auf der Suche nach Tipps und Erklärungen zum Thema Schwangerschaft bist, schau doch mal auf meinen anderen Kanälen vorbei und sieh dir auch die anderen Blog-Beiträge an 🙂

Deine Ela.