Was sind IGeL-Leistungen und wie kann ich sie in Anspruch nehmen?


Blog #9

Was sind IGeL-Leistungen? Welche sind in der Schwangerschaft sinnvoll und auf welche kannst du verzichten?

IGeL ist die Abkürzung für individuelle Gesundheitsleistung. Das sind Untersuchungen, die euch eure Frauenärztinnen/Frauenärzte in der Schwangerschaft anbieten und die durch die jeweiligen Fachgesellschaften empfohlen werden, aber zumeist selbst gezahlt werden müssen. Nur wenige Krankenkassen übernehmen die Kosten.


Nur wenige Krankenkassen übernehmen die Kosten für die IGeL-Leistungen. Zu den IGeL- Leistungen gehören die Folgenden:

  • Toxoplamose-Suchtest
  • Ersttrimesterscreening
  • Testung auf Immunität gegen Ringelröteln (Parvovirus B19)
  • Testung auf Immunität gegen Zytomegalievirus (CMV)
  • Großer oraler Glucosetoleranztest (OGTT)
  • Vaginaler Abstrich auf ß-Streptokokken
  • Bluttests auf Chromosomenstörungen

Innerhalb der Vorsorgeuntersuchungen regulär vorgesehen und durch alle Krankenkassen bezahlt werden die folgenden Untersuchungen:

  • Röteln- Antikörpertest
  • HIV-Test
  • Test auf Syphillis/Lues
  • Test auf Chlamydien
  • Hepatitis B-Testung
  • Bestimmung der Blutgruppe

Was genau steckt hinter den IGeL- Untersuchungen?

Toxoplamose-Suchtest

Toxoplasmose ist eine Infektionskrankheit mit grippeähnlichen Krankheitserscheinungen wie Kopfschmerzen, Fieber und Anschwellen der Lymphknoten. Einige Frauen haben diese Erkrankung bereits unbemerkt durchgemacht. Dann besteht ein Immunschutz. Sollte es jedoch während der Schwangerschaft zur erstmaligen Infektion kommen, können schwere Fehlbildungen beim Baby entstehen. Die Erreger werden durch rohes Fleisch, Katzenkot oder unzureichend gewaschenes Gemüse oder Salat übertragen. Schwangere sollten deshalb den Kontakt zu Katzenkot vermeiden, auf rohes Fleisch verzichten (z.B. Tartar), keinen ungewaschenen Salat/ Gemüse verzehren und bei der Gartenarbeit Handschuhe verwenden. Die Frauenärzte können durch eine Blutuntersuchung zu Beginn und während der Schwangerschaft den Titer (Wert der Toxoplasmoseantikörper) bestimmen. Dadurch kann festgestellt werden, ob eine Infektion bereits durchgemacht wurde oder während der Schwangerschaft neu aufgetreten ist. Für Patientinnen, die exponiert sind, ist die Untersuchung definitiv zu empfehlen.

Ersttrimesterscreening

Der Ersttrimestertest ist ein eine spezielle Blutuntersuchung zur individuellen statistischen Risikoabschätzung ein Kind mit einer Trisomie 21 zu gebären und wird in der 12. Schwangerschaftswoche durchgeführt. Aus dem mütterlichen Serum wird PAPP-A (ein Glykoprotein) und freies ß-HCG (Hormon) bestimmt, zusätzlich erfolgt ein spezieller Ultraschall mit einer Größenmessung des Feten und der Messung der sogenannten Nackentransparenz. Die Kombination der Parameter ergibt bezüglich der Trisomie 21 eine Erfassungsrate von 90%. Der Test hat den Vorteil, zu einem frühen Zeitpunkt Hinweis auf eine Chromosomenstörung zu geben, so dass frühzeitig eine weitere Abklärung erfolgen kann. In diesem Zusammenhang möchte ich erwähnen, dass ein auffälliger Befund nicht bedeutet, dass tatsächlich ein Down-Syndrom vorliegt. Der Wert gibt nur an, dass eine höhere Wahrscheinlichkeit für ein Kind mit Trisomie 21 besteht als bei Frauen gleichen Alters.

Testung auf Immunität gegen Ringelröteln (Parvovirus B19)

Parvovirus B19 ist Verursacher der Ringelröteln. Bei der Erkrankung kommt es zu grippeähnlichen Symptomen und häufig zu einer für die Erkrankung typischen Hautrötung. Der Virus wird durch Speichel und Blutprodukte übertragen. Jede zweite Schwangere hat bereits eine Infektion durchgemacht und ist immun. Eine Infektion in der Schwangerschaft kann beim Kind zu einer gestörten Blutbildung führen, die ohne Behandlung schwerwiegende Folgen haben kann. Wird die Erkrankung therapiert, sind die Chancen für das Ungeborene hingegen sehr gut. Eine Kontrolle des Immunstatus ist somit ratsam.

Testung auf Immunität gegen Zytomegalievirus (CMV)

Das Cytomegalievirus gehört zur Familie der Herpesviren. Es kann von der Mutter auf das Ungeborene übertragen werden.In den meisten Fällen verläuft eine Infektion der Mutter ohne oder nur geringen Krankheitszeichen, ähnlich einem grippalen Infekt. Trotzdem besteht bei einer Erstinfektion in der Schwangerschaft die Gefahr einer schweren Schädigung des Feten. Eine angeborene Cytomegalie kann Hör-, Seh- und Sprachstörungen, Epilepsie oder eine geistige Behinderung verursachen. Das größte Risiko einer kindlichen Schädigung besteht in den ersten 20 Schwangerschaftswochen. Das Virus wird durch Körperflüssigkeiten (Speichel, Tränenflüssigkeit, Urin) übertragen. In Deutschland haben mehr als die Hälfte der Schwangeren noch keine CMV-Infektion durchgemacht und sind somit empfänglich. Man geht von 3000 Erstinfektionen jährlich aus; 40% übertragen dabei die Infektion auf das Ungeborene. Nur bei einem Teil der Infizierten lassen sich im Ultraschall, Auffälligkeiten nachweisen. Ein Großteil der Neugeborenen ist während der Geburt symptomfrei und fällt erst bei Schuleintritt aufgrund einer Verzögerung der Sprachentwicklung infolge eines voranschreitenen Hörverlustes auf. Daher ist eine Testung auf Immunität gegen das Cytomegalievirus durch die aktuellen Leitlinien empfohlen. Leider wird sie bisher nicht durch die Krankenkassen bezahlt. Besonders gefährdet sind Schwangere, die beruflich oder privat, Kontakt mit Kleinkindern haben. Die effektivste Vorbeugung sind Hygienemaßnahmen. Diese können die Infektionsrate um bis zu 85% senken. Bei negativem Antikörperschutz, sollte man die Testung alle 8-12 Wochen wiederholen um eine Neuinfektion frühzeitig zu erkennen. Falls notwendig kann dann eine medikamentöse Therapie rechtzeitig begonnen werden.

Da das Cytomegalievirus weltweit der häufigste Erreger von angeborenen Infektionen ist, kann ich eine Testung ausdrücklich empfehlen.

Großer oraler Glucosetoleranztest (OGTT)

Der Schwangerschafts- oder Gestationsdiabetes ist eine Form der Zuckerkrankheit, die während der Schwangerschaft entsteht und unmittelbar nach der Geburt meist wieder verschwindet. Ein Gestationsdiabetes kann unbehandelt zu erheblichen Problemen während Schwangerschaft und Geburt führen. Die größte Gefahr liegt in Entwicklungsstörungen des Mutterkuchens, die zu einer kindlichen Mangelversorgung bis hin zum Absterben führen kann. In der Regel macht sich der Gestationsdiabetes jedoch nicht durch Beschwerden bemerkbar, deshalb kann er nur durch einen Suchtest festgestellt werden. Die Krankenkassen sehen einen Test mit 50-g- Glucoselösung zwischen der 24.- und 28. SSW vor.  Dieser erfasst jedoch nicht zuverlässig alle Patientinnen mit Gestationsdiabetes. In einigen Fällen kann eine Erkrankung mit dem 50-g- Test nicht erfasst werden oder tritt erst nach der 28. SSW auf.  Aus diesem Grund wird u.a. durch die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DGG) der präzise 75-g-Test empfohlen. Dieser bezieht Nüchternblutzuckerwerte und einen 2-Stunden-Wert ein. Die Zusatzkosten für den großen Test sind vergleichsweise gering, der Nutzen hingegen groß. Insbesondere Risikopatientiennten sollten die Option eines „großes OGTT“ in Erwägung ziehen. Zu den Risikopatientinnen gehören Schwangere, die mit Zuckerkranken verwandt sind, bereits ein Kind mit hohem Geburtsgewicht zur Welt gebracht haben, schon vor der Schwangerschaft übergewichtig waren, in einer früheren Schwangerschaft Gestationsdiabetes hatten, über 35 Jahre alt sind oder bei denen Zucker im Urin nachgewiesen worden ist.

Vaginaler Abstrich auf ß-Streptokokken

Bei 20-40 % der Schwangeren befinden sich im Genitalbereich Streptokokken der Serogruppe B. Normalerweise sind diese Bakterien harmlos und kommen regelhaft auf der Haut oder im Darm vor. Bei der natürlichen Geburt können sie auf das Baby übertragen werden. Dadurch kann entweder direkt nach der Geburt oder innerhalb der nächsten Wochen eine schwere Infektion (Blutvergiftung, Hirnhautentzündung, Lungenentzündung) des Neugeborenen ausgelöst werden. Insbesondere Frühchen haben dann ein hohes Sterblichkeitsrisiko. Mittels Vaginalabstrich kann einige Wochen vor dem ausgerechneten Entbindungstermin überprüft werden, ob die Schwangere mit ß-Streptokokken besiedelt ist. Bei positivem Nachweis werden der Schwangeren kurz vor der Geburt Antibiotika empfohlen.

Der Test kostet als Selbstzahlerleistung in der Regel zwischen 10 und 30 Euro und ist somit vergleichsweise günstig. Laut der aktuellen Leitlinien und den internationalen Fachgesellschaften führt eine generelle Untersuchung auf ß-Streptokokken in der Schwangerschaft zu einer signifikanten, mehr als 50-prozentigen Verringe­rung der frühen Infektionen.

Bluttests auf Chromosomenstörungen

Die genetische Untersuchung des kindlichen Erbmaterials aus mütterlichem Blut ist ein fortgeschrittener Screeningtest. Aus einer Blutprobe wird das Erbmaterial der Mutter und ihres ungeborenen Kindes isoliert. Das kindliche Erbgut stammt aus Zellen des Mutterkuchens, die in das mütterliche Blut übergetreten sind. Die Blutentnahme kann ab der 10. SSW erfolgen. Zur Zeit sind 3 verschiedene Tests verfügbar (Praenatest, Panorama, Harmony-Test) nach der Blutentnahme und der gesetzlich vorgeschriebenen genetischen Beratung, wird das Probematerial in die USA zur Auswertung versandt. Die Bearbeitungszeit dauert etwa 8-14 Tage. Durch den Test können nur die häufigsten Chromosomenanomalien (Trisomie 21,18,13, Turner-Syndrom oder Triploidien) sowie das Geschlecht des Babys festgestellt werden. Der Test ist insbesondere dann sinnvoll, wenn die Ultraschalluntersuchung auf ein erhöhtes Risiko für eine Chromosomenstörung hindeutet. An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, dass man sich vor jeglicher pränatalen Untersuchung fragen sollte, ob und welche persönliche Konsequenz man aus einem auffälligen Ergebnis ziehen würde.


Ich bin der Meinung, dass IGeL-Leistungen fundiert und nicht umsonst von den Fachgesellschaften empfohlen werden und heutzutage ein essentieller diagnostischer Bestandteil einer umfassenden Schwangerschaftsbetreuung sind. Leider wird dies insbesondere von den gesetzlichen Krankenkassen nicht gleichermaßen unterstützt. Nicht jeder kann oder möchte die dadurch aufkommende, zusätzliche finanzielle Belastung während der Schwangerschaft leisten. Vor diesem Hintergrund sollte jede Schwangere nach Abschätzung ihres individuellen Risikos und Diagnostikwunsches in Absprache mit ihrer behandelnden Ärztin/Arzt vorgehen.

Ich hoffe, du weißt jetzt, was die IGeL-Leistungen sind und welchen Nutzen sie haben. Hinterlass doch einen Kommentar, wenn du weitere Fragen hast.

Wenn du auf der Suche nach Tipps und Erklärungen zum Thema Schwangerschaft bist, schau doch mal auf meinen anderen Kanälen vorbei und sieh dir auch die anderen Blog-Beiträge an 🙂

Deine Ela.