Mein Besuch in einem balinesischen Krankenhaus


Blog #6

Während meines Urlaubs auf Bali habe ich mich häufiger gefragt, wie Schwangerschaften  und Geburten hier ablaufen und inwieweit die Betreuung, die Vorsorgeuntersuchungen oder die Vorgehensweisen bei Komplikationen unseren deutschen Standards ähnlich sind.

Anfangs habe ich versucht, über Gespräche mit einigen balinesischen Frauen oder Familien Informationen zu erhalten. Obwohl die meisten Balinesen etwas Englisch sprechen, war die Kommunikation nur eingeschränkt möglich. Daraufhin habe ich mich nach einigen Tagen dazu entschlossen, ein balinesisches Krankenhaus mit einer Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe zu besuchen, um mit den Kollegen vor Ort zu sprechen.

Vorab sollte man erwähnen, dass es viele private Krankenhäuser auf Bali gibt, z.B. die beiden BIMC Hospitals. Diese erscheinen optisch eher wie Hotels, sie haben einen hohen Standard und entsprechen nicht den gewöhnlichen Verhältnissen. Ich habe mich für das Surya Husadha Hospital in Nusa Dua entschieden. Dies ist ein privates Krankenhaus, das jedoch sämtliche Patienten – ob mit oder ohne Versicherung – behandelt.

Nach einer 45 Minuten langen Rollerfahrt, von der Westküste der Bukit-Halbinsel in den östlichen Teil, war ich in Nusa Dua angekommen. In einer kleinen Eingangshalle müssen sich zuerst alle Besucher oder Patienten des Krankenhauses registrieren. Es hat mich eine halbe Stunde Geduld und hartnäckiges Fragen gekostet, mein Vorhaben zu schildern und Eintritt in die geburtshilfliche Station zu erhalten. Selbst mein internationaler Arztausweis konnte die Damen an der Rezeption nicht beeindrucken. An dieser Stelle ist zu sagen, dass erneut die Sprachbarriere aber auch die in Indonesien fehlende Flexibilität in normabweichenden oder unbekannten Situationen meine Mission nicht gerade beschleunigt haben.

Umso herzlicher war dann meine Begrüßung auf der Station. Ich wurde durch die leitende Krankenschwester und den diensthabenden Frauenarzt in Empfang genommen. Wir haben uns in eine Sofaecke im Flur der Station gesetzt, die tatsächlich eher dem Foyer eines Hotels als einem Krankenhaus entspricht.

Zuerst wurde mir ausführlich erklärt, dass ohne Vorlage einer schriftlichen Genehmigung – die ich natürlich so spontan nicht dabei hatte – die Aufnahme von Fotos und Videos ausdrücklich verboten sei. Nachdem ich erklärte, dass mir ein kleines Interview vollkommen ausreichen würde, entspannte sich die Stimmung und ich durfte meine Fragestunde starten.

Zuerst interessierten mich das Vorgehen in der Schwangerschaft und die Planung der Geburt. Sie berichteten mir, dass es auf Bali üblich sei, zuerst einen sogenannten „Primary Care Physician (PCP)“ – vergleichbar mit einem Hausarzt – zu konsultieren. Dieser stellt die Schwangerschaft fest und weist die Schwangere einer Hebamme zu. Gemeinsam betreuen sie den weiteren Schwangerschaftsverlauf. Sofern die Schwangerschaft komplikationslos verläuft, wird die Geburt mit der Hebamme in einer Art Geburtshaus oder aber zu Hause geplant. Nur bei etwaigen Auffälligkeiten, wird die Schwangere für spezielle Untersuchungen oder die Geburt an ein Krankenhaus mit entsprechenden Spezialisten (Fachärzten) verwiesen. Dabei unterscheidet man verschiedene Kategorien an Krankenhäusern. Es wird zwischen Level A, B, C und D unterschieden. Ein Level A Krankenhaus ist zum Beispiel das Universitätskrankenhaus in Denpasar. Dort arbeiten auch Fachärzte mit speziellen Weiterbildungen. Ein Level D Krankenhaus dient der Grundversorgung und Erstversorgung bei Unfällen, etc. Dort können Routineeingriffe durchgeführt werden. Das Surya Husadha ist ein Level C Krankenhaus.

Der PCP entscheidet je nach Diagnose oder Komplikation, in welchem Level Krankenhaus sich die Schwangere vorstellen sollte. Das geschilderte Vorgehen ist üblich, sofern die Patientinnen versichert sind. Nicht selten haben die balinesischen Patienten nur eine Art vom Staat gestellte Basisversicherung oder sind gar nicht versichert. Dann müssen die Patienten zu- oder die Behandlung komplett selbst bezahlen.

Vor diesem Hintergrund befindet sich vor dem Surya Husadha ein großes Werbeplakat, dass die Preise für einen geplanten Kaiserschnitt mit oder ohne Sterilisation anzeigt. Umgerechnet zahlt man hier für einen Kaiserschnitt mit Sterilisation und dem dazugehörigen stationären Aufenthalt maximal etwa 757 Euro.

Dies leitet den nächsten, differenten, in Deutschland wohl unvorstellbaren Punkt ein. In Indonesien gibt es seit vielen Jahren das sogenannte „Family Planning Program“. Es beinhaltet neben einer ausführlichen sexuellen Aufklärung die Familienplanung und Verhütungsberatung. Mir wurde erklärt, dass es erwünscht sei, nicht mehr als zwei Kinder zu bekommen – außer die familiäre und finanzielle Situation erlaube es. Dies soll den Kindern ein Aufwachsen in stabilen ökonomischen und sozialen Verhältnissen erleichtern und der Überbevölkerung entgegenwirken. Indonesien ist die 4. größte Population weltweit und wächst stetig weiter. Das „Family Planning Program“  konnte die Anzahl von durchschnittlich 5,5 Kindern pro Familie im Jahr 1967 auf 3,4 im Jahr 1987 reduzieren. Nichtsdestotrotz erklärten mir die Beiden, dass ein wichtiger Aufgabenbereich ihrer Arbeit sei, mit den Patientinnen die weitere Verhütung nach Geburt zu planen, indem z.B. die Einlage einer Spirale vereinbart würde.

Die Kaiserschnittrate liegt insgesamt unter dem deutschen Durchschnitt. Wunschkaiserschnitte kommen in der Regel nicht vor, da die balinesische Kultur den natürlichen Geburtsvorgang ausdrücklich befürwortet. Kaiserschnitte werden in der Regel nur bei Auffälligkeiten, Besonderheiten in der Schwangerschaft oder Lageanomalien geplant. Bei einem vorzeitigen Blasensprung ohne Geburtsbeginn oder einer schleppenden Geburtseinleitung wird der Kaiserschnitt sogar frühzeitiger durchgeführt als hier zu Lande.

Leider ist die Anzahl an Todesfällen von Mutter oder Kind während oder nach der Geburt deutlich höher als in Deutschland. Das liegt vor allem daran, dass Komplikationen während oder nach den Geburten außerhalb der Krankenhäuser häufig nicht rechtzeitig behandelt werden können, da die Wege zum nächsten Krankenhaus viel zu lang sind.

Aber nicht alles unterscheidet sich zu unseren Standards. Die stationäre Aufenthaltsdauer nach Geburt, das Vorgehen bei vorzeitigem Blasensprung, Terminüberschreitung, vorzeitiger Wehentätigkeit oder frühzeitiger Zervixverkürzung sind ziemlich ähnlich.

Außerdem wollte ich wissen, wie die ärztliche Ausbildung in Indonesien abläuft. Auch hier bestehen nur kleine Unterschiede zu unserem System. Allerdings müssen die Kollegen nochmal deutlich mehr arbeiten als wir. Im Jahr gibt es maximal zwei Wochen Urlaub. Unter der Woche (von Montag bis Samstag) besteht kontinuierlich Bereitschaftsdienst, der in der Nacht und am Wochenende von zu Hause geleistet wird.

Nach einem etwa einstündigen Gespräch mit den Kollegen musste ich feststellen, dass Geburtshilfe und Medizin letztendlich auf der ganzen Welt gleich funktionieren. Die kulturell und strukturell bestehenden Unterschiede sollten unser Vorgehen in Deutschland überdenken und wertschätzen lassen. Ich bin sehr dankbar um eine tolle Erfahrung reicher zu sein und freue mich sehr über die Einladung zur Hospitation, die ich gerne bei meinem nächsten Bali Aufenthalt wahrnehmen möchte. Dann kann ich euch, nach frühzeitiger Planung und Anmeldung, mit mehr Fotos und Videos berichten.

Ich hoffe, dieser Erfahrungsbericht zum Thema Krankenhäuser und speziell Geburtshilfe auf Bali hat dir einige interessante Einblicke verschafft! 🙂 Hinterlass doch einen Kommentar zu deinen persönlichen Erfahrungen mit Krankenhäusern dieser Welt.

Wenn du auf der Suche nach Tipps und Erklärungen zum Thema Schwangerschaft bist, schau doch mal auf meinen anderen Kanälen vorbei und sieh dir auch die anderen Blogs an 🙂

Deine Ela.