Vaginal Seeding oder Microbirthing


Blog #10

Spricht jemand von „Vaginal Seeding“ oder „Microbirthing“ ist damit das „Beimpfen“ eines Kaiserschnittbabys mit Vaginalsekret gemeint. Dies ist schon länger ein Trend in den USA und Australien. Auch in Deutschland interessieren sich immer häufiger Schwangere für die neue Methode.

Wie wird das gemacht?

Vor einem Kaiserschnitt wird der werdenden Mutter ein steriler Tupfer oder eine Mullbinde in die Vagina eingelegt. Dieser fängt den Vaginalschleim auf. Nach der Geburt wird dann das Neugeborene insbesondere im Gesicht, den Augen und dem Mund damit eingerieben.

Was ist der Sinn?

Damit soll eine vaginale Entbindung imitiert werden, bei der die Bakterien der Mutter auf das Kind übertragen werden.

Hintergrund

In Deutschland kommt in etwa jedes 3. Baby per Kaiserschnitt zur Welt. Gleichzeitig wissen wir, dass das Mikrobiom, also die Gesamtheit der Bakterien im kindlichen Darm schon in den ersten Lebenstagen an der Bildung des Immunsystems in den Darmwänden beteiligt ist. Studien können belegen, dass Kaiserschnittbabys etwa 3 Monate länger brauchen um eine ähnliche Darmflora zu entwickeln wie vaginal entbundene Kinder. Grund dafür ist, dass den Kaiserschnittbabys der Kontakt zur natürlichen Bakterienbesiedlung im Geburtskanal der Mutter fehlt. Aus diesem Grund versucht man beim „Vaginal Seeding“ die Kontamination mit den mütterlichen Bakterien nachzuahmen.

Mögliche Vorteile

Erste kleine Studien zeigen, dass beimpfte Kinder schon kurze Zeit später eine den vaginal entbundenen Kindern ähnliche Darmflora aufweisen (Nature Medicine: Dominguez-Bello et al., 2016).

Mögliche Nachteile

Die größte Gefahr stellt das Infektionsrisiko dar. Logischerweise kann das Baby beim „Vaginal Seeding“ nicht nur mit den „guten“ Bakterien ausgestattet werden, sondern sich auch mit pathogenen („bösen“) Krankheitserregern anstecken.


Fazit

Derzeitig kann keine generelle Empfehlung für das Vaginal Seeding ausgesprochen werden.

Die Datenlage ist aktuell zu dünn und Langzeitstudien fehlen um eine eindeutige Empfehlung aussprechen zu können. Weitere Studien sind nötig um mit Sicherheit den Benefit der Methode festzustellen.

Wenn jedoch eine Frau ihr Kind selbstständig beimpfen möchte, sollte sie zumindest eine Infektion mit den häufigsten Krankheitserregern wie zum Beispiel das Herpes-simplex-Virus, ß-Streptokokken, Chlamydien oder Gonokokken ausschließen. Außerdem möchte ich darauf hinweisen, dass beim Beimpfen mit dem Finger selbstverständlich auf eine adäquate Hygiene zu achten ist.

Ich hoffe, du konntest dir ein Bild über den Trend Vaginal Seeding oder Microbirthing machen und verstehst die Vor- und Nachteile. Hinterlass doch einen Kommentar, wenn du weitere Fragen hast.

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Deine Ela.