Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft


Blog #4

Sofern die Schwangerschaft komplikationslos verläuft, hast du gesetzlichen Anspruch auf 10 Vorsorgeuntersuchungen und 3 Ultraschalluntersuchungen in der gesamten Schwangerschaft.

Diese verteilen sich wie folgt: zu Beginn der Schwangerschaft monatlich eine
Vorsorgeuntersuchung und ab der 32. Schwangerschaftswoche alle zwei Wochen.

Was wird dabei untersucht?

Blut und Urin werden untersucht

Der Blutdruck wird gemessen

Du wirst gewogen

Der Bauch wird abgetastet


Warum wird das gemacht?

Die Urinuntersuchung:

Der Urin wird auf das Vorkommen von Eiweiß, Blut, Zucker und Nitrit untersucht. Anhand dessen kann folgendes abgeleitet werden:

Eine Eiweißausscheidung in Kombination mit einem erhöhten Blutdruck kann auf eine Schwangerschaftsvergiftung hinweisen. Eine isolierte geringe Eiweißausscheidung kommt in der Schwangerschaft häufiger vor und ist ohne Bedeutung. Sie kann zum Beispiel durch die vermehrte Bildung von Vaginalsekret bedingt sein. Das Auftreten von etwas Blut im Urin entsteht meist durch eine Kontaktblutung beim Auffangen des Urins. Mehrfaches Auftreten kann ein Hinweis auf eine mögliche urologische Erkrankungen wie eine Blasenentzündung sein und Bedarf weiterer Abklärung. Der Nachweis von Zucker im Urin kann auf eine Zuckerkrankheit hindeuten. Der Wert kann aber auch bei ganz normalen Blutzuckerkonzentrationen erhöht sein und hat deswegen nur eine eingeschränkte Aussagekraft. Nitrit wird von Bakterien gebildet und ist ein sicheres Zeichen für eine bakterielle Infektion sprich eine Blasenentzündung. Auch wenn die Schwangere keinerlei Beschwerden hat, sollte eine Infektion immer behandelt werden, denn beim Aufsteigen der Keime in die Scheide kann es zu vorzeitigen Wehen kommen.

Die Blutdruckmessung:

Ein dauerhaft erhöhter Blutdruck kann Mutter und Kind gefährden und muss immer behandelt werden. Außerdem kann erhöhter Blutdruck mit einer Eiweißausscheidung im Urin eine Schwangerschaftsvergiftung anzeigen.

Das Gewicht:

Das Körpergewicht wird bei jeder Vorsorgeuntersuchung mitbestimmt. Eine zu rasche Gewichtszunahme deutet z.B. auf eine vermehrte Flüssigkeitseinlagerung im Gewebe (Ödeme) hin. Eine zu geringe Gewichtszunahme kann eine kindliche Mangelsituation anzeigen. Zur Erinnerung die durchschnittliche Gewichtszunahme beträgt etwa 12-14 kg.

Die Blutentnahme:

Zu Beginn der Schwangerschaft wird die Blutgruppe der Schwangeren bestimmt. Bei einer bestimmten Blutgruppenkonstellation muss im Verlauf der Schwangerschaft die sogenannte Rhesusprophylaxe erfolgen. Dazu mehr in meinem ausführlichen Beitrag zu diesem Thema. Außerdem wird im Blut regelmäßig der rote Blutfarbstoff Hämoglobin bestimmt. Ein fallen der Werte im Verlauf der Schwangerschaft ist vollkommen normal. Bei sehr niedrigen Werten kann bei gleichzeitig bestehendem Eisenmangel, die Einnahme von hochdosierten Eisenpräparaten notwendig sein. Zusätzlich wird das Blut auf das Vorkommen von bestimmten Antikörpern und auf bestimmte Infektionen untersucht: von den Krankenkassen bezahlt wird die Untersuchung auf HIV, Hepatitis-B- Antigen, Lues/Syphilis, Antikörper und Röteln-Antikörper.

Die Tastuntersuchung:

Dabei kann bei fortgeschrittener Schwangerschaftsdauer die Kindslage festgestellt werden. Eine vaginale Tastuntersuchung kann zudem Auskunft über den Gebärmuttelhals und Muttermund geben. Außerdem kann von Beginn an der Symphysen- Fundus-Abstand getastet werden, d.h. die obere Kante der Gebärmutter wird ertastet. Sie verlagert sich durch das Wachstum immer weiter nach oben. Dies kann Auskunft über Wachstum des Kindes im Schwangerschaftsverlauf geben.

Die Ultraschalluntersuchungen

Sofern es keine Komplikationen gibt, sind 3 Ultraschalluntersuchungen vorgesehen:

  • in der 9.-12. SSW wird überprüft ob es sich um einen Embryo oder vielleicht um eine Mehrlingsschwangerschaft, z.B. Zwillinge handelt. Außerdem wird das genaue Schwangerschaftsalter anhand der sogenannten Scheitel-Steiß-Länge bestimmt (die Länge von Kopf bis Po) und es wird geschaut ob das Herzchen schlägt.
  • in der 19. 22. SSW kann man zwischen zwei Varianten wählen: einem erweiterten Basisultraschall oder einer sog. Feindiagnostik. Beim erweiterten Basisultraschall wird Größe und Lage bestimmt sowie einige Organe grob beurteilt. Bei der Feindiagnostik werden die Organe viel genauer beurteil und auf Fehlbildungen untersucht. Diese Variante kann nur von Ärzten mit einer bestimmten Weiterbildung durchgeführt werden.
  • in der 29.-32. SSW wird unter anderem geprüft ob das Baby mit dem Kopf unten liegt, wie schwer es ist und wie viel Fruchtwasser vorhanden ist.

Wenn sich bei den Kontrolluntersuchungen Auffälligkeiten im Schwangerschaftsverlauf zeigen, sind mitunter weitergehende Untersuchungen erforderlich. Eine dieser zusätzlichen Untersuchungen ist die Dopplersonographie. Bei Wachstums- oder Durchblutungsstörungen kann mit dieser speziellen Methode der Blutfluss in den kindlichen Organen, der Plazenta und der Nabelschnur gemessen werden, lange bevor im Ultraschall eine Wachstumsverzögerung erkennbar wird.

Ab der 30. SSW kann zusätzlich bei jeder Vorsorgeuntersuchung ein CTG (=Cardiotokographie) geschrieben werden. Damit können mögliche Wehen aufgezeichnet und die Herztöne des Babys gemessen werden. Diese geben Aufschluss über das Wohlbefinden des Babys. Eine unzureichende Versorgung über den Mutterkuchen kann zu Veränderungen im CTG führen.

Außerdem wird in regelmäßigen Abständen die Scheidenflora auf Infektionen untersucht. Dazu kann mikroskopiert werden und/oder der pH-Wert gemessen werden. Ein saurer pH-Wert gilt als unauffällig. Ein alkalische pH-Wert deutet auf eine Infektion hin.

Der Muttermund und der Gebärmutterhals werden durch eine vaginale Untersuchung oder einen vaginalen Ultraschall kontrolliert. Dabei kann eine Verkürzung des Gebärmutterhalses oder Eröffnung des Muttermundes festgestellt werden.

Darüber hinaus kann man die sogenannten IGEL-Leistungen (=individuelle Gesundheitsleistungen) in Anspruch nehmen. Das sind zusätzliche Untersuchungen die teilweise von den Fachgesellschaften empfohlen werden, aber nicht immer von den Krankenkassen bezahlt werden. Meiner Meinung nach machen diese in vielen Fällen auch Sinn, warum erkläre ich euch in dem Blog: IGEL-Leistungen.

 

Wichtig

Alle Untersuchungsergebnisse werden in den Mutterpass eingetragen, den ihr beim ersten Frauenarzttermin erhaltet. Es ist besonders wichtig, dass ihr diesen immer bei euch habt, denn darin sind alle wichtigen Informationen über die aktuelle Schwangerschaft oder die Vorgeschichte enthalten. Sollten Komplikationen auftreten, können wir Ärzte im Krankenhaus wichtige Informationen aus dem Mutterpass erhalten.

Ich hoffe, dieser Artikel zum Thema Vorsorgeuntersuchungen während der Schwangerschaft hat dir einige offene Fragen beantwortet. Hinterlass doch einen Kommentar zu deinen persönlichen Erfahrungen oder deinen Anmerkungen zu diesem Beitrag.

Wenn du auf der Suche nach weiteren Tipps und Erklärungen zum Thema Schwangerschaft bist, schau doch mal auf meinen anderen Kanälen vorbei 🙂

Und jetzt wünsche ich dir viel Erfolg und alles, alles Gute bei deinen Vorsorgeuntersuchungen!

Deine Ela.