Elena Maria Leineweber
 
Fachärztin für Gynäkologie & Geburtshilfe

MEDIKAMENTENEINNAHME IN DER SCHWANGERSCHAFT 

 

Aufgrund des während der Schwangerschaft gedrosselten Immunsystems, kommt es relativ häufig zu Erkältungen oder anderen Infekten. Außerdem sind auch harmlose Kopf-, Bauch- oder Rückenschmerzen keine Seltenheit. Nichtsdestotrotz können diese mitunter sehr lästig und einschränkend sein. Wenn man sonst die Symptomatik mit einem Griff zur Tablette oder einem Medikament schnell beendet hat, wird man in der Schwangerschaft doch ziemlich nachdenklich und zurückhaltend. Das gilt auch für viele Kollegen anderer Fachabteilungen, die mich gelegentlich um Rat fragen, welches Medikament in der Schwangerschaft überhaupt unbedenklich anwendbar ist. Neben akuten Infekten und Beschwerden kann bei bestimmten Vorerkrankungen, wie zum Beispiel einer Schilddrüsenerkrankung, einer Epilepsie oder einer Depression, die Einnahme von Medikamenten in der Schwangerschaft zwingend erforderlich sein.


Wieso muss man bei der Anwendung von Medikamenten in der Schwangerschaft überhaupt so vorsichtig sein?

Jedes Medikament hat eine gewünschte Wirkung aber auch eine zumeist unerwünschte Nebenwirkung. Während manche dieser Nebenwirkungen keine Auswirkungen auf das Baby haben, kann die Einnahme einiger anderer Medikamente in der Schwangerschaft oder Stillzeit zu schweren irreversiblen Fehlbildungen beim Baby führen.



Was genau sollte man bei der Anwendung von Medikamenten in der Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

  • vor jeder Behandlung mit einem Medikament sollte die Notwendigkeit sorgfältig geprüft werden
  • andere Behandlungsmöglichkeiten sollten ausgeschlossen werden
  • die Dosierung sollte so gering wie möglich und nur so hoch wie nötig gewählt werden
  • eine Therapie mit nur einem Medikament sollte einer Therapie aus einer Kombination mehrerer Medikamente immer vorgezogen werden
  • 1. Wahl sollten immer ausreichend getestete Medikamente sein, die in der Schwangerschaft und Stillzeit gut verträglich sind
  • die Einnahme sollte immer in Absprache mit einer Hebamme/Ärztin oder einem Arzt stattfinden


Hier einige Medikamente, die in der Schwangerschaft und Stillzeit angewendet werden und frei verkäuflich sind:

Bei Schmerzen: Paracetamol oder Buscopan

Bei Übelkeit: Vomex, Meclozin

Bei Sodbrennen: Omeprazol


Es lässt sich folgendes mögliches Vorgehen bei Schmerzen in der Schwangerschaft (hier am Beispiel einer Erkältung) ableiten:

Schritt 1: Unterstützende Maßnahmen, Hausmittel: z.B. Inhalieren mit Kochsalzlösung

Schritt 2: Pflanzliche Mittel, Präparate der Naturheilkunde, Hömopathische Mittel (auch diese können nicht alle vollkommen bedenkenlos eingenommen werden): z.B. Nasenspray mit Kochsalzlösung oder Echinacin, Aspecton eukaps

Schritt 3: Medikamente wie Paracetamol, abschwellende Nasensprays, bei bakteriellen Infekten ggf. Antibiotika in Absprache mit einer Ärztin oder einem Arzt


Übrigens selbst wenn ihr euch total platt und krank fühlt, geht es eurem Baby während einer Erkältung, einem grippalen Infekt oder einem Magen-Darm-Infekt zum Glück meistens weiterhin sehr gut. Anders kann dies bei einer echten Grippe sein. Wie ihr dieser vorbeugen könnt, erfahrt ihr in meinem nächsten Blog.

Zum Schluss noch ein kleiner Tipp zum Nachschlagen: www. embryotox.de oder die App Embrytox listet fast alle Wirkstoffe und deren Verträglichkeit in der Schwangerschaft und Stillzeit auf. Hier schaue ich selbst auch nach 😊

 
 
 
 
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